MARTIN GEORGE

ERWARTEN SIE DAS UNERWARTETE

In dieser aufgewühlten Welt – geprägt von Erdbeben, Überschwemmungen, Kriegen und Erderwärmung – ist es eine wahre Wohltat, einen engagierten Bildhauer mit einem derart ironischen Sinn für Humor und einem so feinen Sinn für das Lächerliche zu finden.

Ohne Frage: Der in Australien lebende Künstler Martin George (geb. 1980) ist absolut in der Lage, eine vollkommen überzeugende, makellos konstruierte modernistische Skulptur zu erschaffen, die aus allen Blickwinkeln wirkt. Ebenso sehr genießt er es jedoch auch, den Zuschauer zu überraschen. Die Dinge sind häufig nicht ganz das, was sie auf den ersten Blick zu sein scheinen. Formen drehen, wenden und verknoten sich, während andere Formen unerwartet aus der Wand ragen.

Eine Pausche gehört normalerweise in die Turnhalle, doch in einem Werk verknüpft der Bildhauer dieses vorgefertigte Element mit einem linearen Skulpturfragment – einer weißen Linie, die den Bewegungsablauf eines abwesenden Turners suggeriert.

Aus Freude an der Täuschung platziert er in einem anderen Werk ein industrielles 20-Kilo-Gewicht in Übergröße auf einem eleganten Marmortisch, als wäre es eine modernistische Skulptur.

Und als Beobachter unserer fast obsessiven Beziehung zu iPhones – diesen nahezu unverzichtbaren Besitztümern, die in Zügen, auf der Straße, in Cafés und Restaurants benutzt werden – hat er mehrere Marmor-Attrappen von iPhones in einem goldenen Ziborium platziert. Fast scheinen sie Bestandteil einer religiösen Zeremonie zu sein – aber dieses Werk soll nicht frevelhaft sein. Vielmehr spiegelt es Martin Georges Beobachtung wieder, dass Australier ihre iPhones geradezu anbeten.

Erneut gibt er das hochmütige Vokabular mancher Kunstpublizisten der Lächerlichkeit preis: Worte wie „Materialität“. In einem mit Photoshop manipulierten Druck hebt er nicht nur die Materialität seiner eigenen Konstruktionen hervor, sondern steigert diese Materialität, indem er zwei Bodybuilder hinzu bringt. In einer weiteren Instanz der Photoshop-Manipulation, diesmal mit unternehmerischem Flair, platziert er seine Skulptur amüsanterweise auf dem roten Teppich bei den Filmfestspielen von Cannes.

Eingedenk der Tatsache, dass ein gewisses Element der Eigenwerbung zur Voraussetzung für den Erfolg in der zeitgenössischen Kunstwelt geworden ist, hat Martin George seine Skulpturen verschiedentlich ohne Erlaubnis an öffentlichen Orten in Melbourne aufgestellt. So gab er der Öffentlichkeit Rätsel auf und überließ die Skulpturen sich selbst.

Ein willkommener Last-Minute-Verkauf an einen australischen Sammler hat den Bildhauer gehindert, eines seiner erfolgreichsten und fröhlichsten Werke auszustellen: Eine große, elegante abstrakte Skulptur, die auf einer kleinen Spieldose steht. Zuschauer, die einen Schlüssel drehen, können das Triebwerk aufziehen und eine populäre Melodie hören, während sich die Skulptur langsam dreht. Es ist ein Werk, das Jung und Alt zum Lächeln und Lachen bringt. Zeitgenössische Skulpturen werden nicht oft mit Humor in Verbindung gebracht.

Ken Scarlett, OAM

 

 

 

TIPPY TOES, 2017, Edelstahl lackiert, 300 x 120 x 120 cm

 

 

 

TIPPY TOES, 2017, Edelstahl lackiert, 300 x 120 x 120 cm

 

 

 

LTTLE BLACK KNOT, 2016, Stahl, schwarze lackiert, 130 x 130 x 60 cm

 

 

 

EMBRACE PICOLLO, 2016, Edelstahl gebürstet, 130 x 60 x 60 cm

 

 

 

DISLOCATED ELEMENT, 2016, STAHL, Hochglanz poliert, Lederball, 130 x 130 x 60 cm

 

 

 

DISLOCATED ELEMENT, 2016, STAHL, Hochglanz poliert, Lederball, 130 x 130 x 60 cm

 

 

 

 

 

 

METASTASIZE, 2015, Stahl, lackiert, in Wand integriert

 

 

 

PIROUETTE, 2015, Edelstahl, Handgebürstet, auf drehbarer Basis

 

 

 

VIDEO – just klick – TWO DANCERS MUSIC BOX, 2016, Edelstahl

 

 

 

EDUCATION:

Master in Fine Arts, RMIT 2015

Bronze Sculpture, Chisholm, 2009

Bachelor Mechanical Engineering (Hons 1st), Monash University, 1999-2004, MIE AUST

 

AWARDS:

2016 Winner ‘Lorne Sculpture Biennale’, Sculpturscape

2015 / 2016 Finalist Mont Alto Sculpture Prize, Victoria

2015 Finalist ‘The Churchie’, Griffith University, Brisbane, Qld

2011 Melbourne International Film Festival Take 60 Finalist ‘George’

 

SELECTED ACTIVITY:

2017 Permanent Artist @ THE ART SCOUTS, Berlin

2016 Group show, THE ART SCOUTS, Berlin

2016 One night stand III, Coalesce ARI, Easy Street, Melbourne, Vic

2016 Lorne Sculpture Biennale, Lorne

2016 ArtBar, Link Arts and NGV, Old Melbourne Gaol Melbourne

2016 SXS Cottesloe, Sculpture Inside, Western Australia

2016 Bogotá Arte Contemporáneo , Group show, “Embrace Piccolo”, Bogota, Colombia

2016 BERLINER LISTE, Solo Show, Kraftwerk Berlin

2015-2016 Venice International experimental arts festival, “Enthalpy Sucks”, Palazzo Ca’ Zanardi, Venice,

Italy

2015 Sculpture by the Sea, Bondi, New South Wales,

2015 The Churchie, Griffith University, Brisbane, Qld

2015 Homage, Coalesce ARI, The Foodcourt, Docklands, Melbourne, Vic

2015 Visions, School Of Art Gallery RMIT, Victoria

2015 Mont Alto Sculpture Prize Finalist, Mont Alto, Victoria

2013 Yarra Valley Arts / Yering Station Sculpture Exhibition and Awards, Victoria

2013 Arnold Bloch & Leibler Sculpture Exhibition, Melbourne, Victoria

2011 Melbourne International Film Festival Take 60 Finalist ‘George’

2009 Toorak Sculpture Exhibition, Fibonacci, collaboration with Tiriki Onus

2003 Water Carriers, set design and construction, national touring show

 

PROFESSIONAL ROLES:

2016 Greater City of Dandenong, Public art panel member

2015-2016 Judge, Immerse public art program, City of Knox

 

SELECTED COMMISIONS:

2016 Reclining Lady Knox City Council

2016 The judicious application of optimism, Qdos Sculpture Park

2016 Slumped Light Pole #1,#2 Albury City Council

2015 Treasured, Glenquarry Park, Bowral, NSW.

2015 Pirouette, Brighton, Victoria.

2015 Gold Bling, Halpin way, City of Greater Dandenong .

2014 Tanz long term loan, Knox City Council.

2014 Grey Knot, Commission, Sorrento, Victoria.

 

Giesebrechtstr. 1610629 BerlinT +49.(0)30.327 65 940