MICHAEL ERNST

KOSMOS IV, 2013, kinetische Klangskulptur mit 5 beweglichen Teilen, 205 x 105 x 88 cm

Michael Ernst ist Stahlbildhauer und kommt vom Schmiedehandwerk. Jahrelange Erfahrungen in der väterlichen Metallwerkstatt prägten seinen Umgang mit einem Material, das ihm mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangen ist. Der Thüringer Autodidakt entfaltete sich ohne akademische Laufbahn. Das Werk des baskischen Bildhauers Eduardo Chillida (1924-2002) gab ihm zunächst wichtige Impulse. Ernst begriff aber dessen poetische Archaik nicht nur formal bzw. räumlich, sondern gleichberechtigt zeitlich und materialbezogen. Und hier kündigte sich auch die Verschränkung von Stahl und Bewegung an, die ihn die kinetische Kunst entdecken ließ.

Mit dem US-amerikanischen Künstler George Rickey (1907-2002) fand der Thüringer einen der profiliertesten Vertreter der kinetischen Plastik im 20. Jahrhundert. Er konnte durch ihn auch sein Interesse an der Bewegung kultivieren und die dynamischen Wechselwirkungen einzelner Elemente im Raum untersuchen. Ernsts Kunst ist stets im direkten Austausch mit der Umwelt, sei er durch Menschen erzeugt oder auch durch natürliche Einflüsse wie den Wind. Auch unsichtbare, jedoch höchst wirkungsvolle Kräfte wie die Erdanziehung, die Fliehkraft oder die Trägheit der Masse sind wichtige und handelnde Größen. Sie werden durch die Objekte wahrnehmbar. Hier kommt deutlich der Einfluss Rickeys zum Tragen, der die Kinetik folgendermaßen auf den Punkt brachte: „Schwingen, Kreisen, Pendeln, Vibrieren von Teilen, die sich dabei durch den Raum bewegen – auf und ab, hin und her, einmal rechts, einmal links – und die Betonung dieser Bewegung durch Beschleunigen oder Verlangsamen – viel mehr Möglichkeiten gibt es ja nicht – aber das bescheidende Spektrum reicht aus, um daraus Meisterwerke entstehen zu lassen.“ (Berlin 1967 – 1992. Die Sammlung der Berlinischen Galerie)

 

KOSMOS V, 2015, Kinetische Stahlskulptur mit 5 beweglichen Teilen, 260 x 210 x 210 cm

KOSMOS V, 2015, Kinetische Stahlskulptur mit 5 beweglichen Teilen, 260 x 210 x 210 cm

 

 

 

NAUTILUS, 2016, Kinetische Stahlskulptur mit 5 beweglichen Elementen, 149 x 87 x 87 cm

NAUTILUS, 2016, Kinetische Stahlskulptur mit 5 beweglichen Elementen, 149 x 87 x 87 cm

 

 

 

TURBULENCE II, 2015, Kinetische Stahlskulptur mit 5 beweglichen Elementen, 260 x 190 x 190 cm

TURBULENCE II, 2015, Kinetische Stahlskulptur mit 5 beweglichen Elementen, 260 x 190 x 190 cm

 

 

 

TURNTABLE, 2011, kinetische Klangskulptur mit 5 beweglichen Teilen, 63 x 86 x 86 cm

TURNTABLE, 2011, kinetische Klangskulptur mit 5 beweglichen Teilen, 63 x 86 x 86 cm

 

 

 

BRAINFISH, 2009, kinetische Stahlskulptur mit 8 beweglichen Teilen, 90 x 225 x 70 cm

BRAINFISH, 2009, kinetische Stahlskulptur mit 8 beweglichen Teilen, 90 x 225 x 70 cm

 

 

 

KOSMOS II, 2011, kinetische Stahlskulptur mit 4 beweglichen Teilen, 257 x 190 x 190 cm

KOSMOS II, 2011, kinetische Stahlskulptur mit 4 beweglichen Teilen, 257 x 190 x 190 cm

 

 

 

KOSMOS II, 2011, kinetische Stahlskulptur mit 4 beweglichen Teilen, 257 x 190 x 190 cm, Privat-Sammlung Nordrhein-Westfalen

KOSMOS II, 2011, kinetische Stahlskulptur mit 4 beweglichen Teilen, 257 x 190 x 190 cm, Privat-Sammlung Nordrhein-Westfalen

 

 

 

KOSMOS II, 2011, kinetische Stahlskulptur mit 4 beweglichen Teilen, 257 x 190 x 190 cm, Privat-Sammlung Nordrhein-Westfalen

KOSMOS II, 2011, kinetische Stahlskulptur mit 4 beweglichen Teilen, 257 x 190 x 190 cm, Privat-Sammlung Nordrhein-Westfalen

 

 

 

KOSMOS IV, 2013, Kinetische Skulptur mit 6 beweglichen Teilen, 205 x 105 x 88 cm, Privat-Sammlung Potsdam

KOSMOS IV, 2013, Kinetische Skulptur mit 6 beweglichen Teilen, 205 x 105 x 88 cm, Privat-Sammlung Potsdam

 

 

 

KOSMOS IV, 2013, Kinetische Skulptur mit 6 beweglichen Teilen, 205 x 105 x 88 cm, Privat-Sammlung Potsdam

KOSMOS IV, 2013, Kinetische Skulptur mit 6 beweglichen Teilen, 205 x 105 x 88 cm, Privat-Sammlung Potsdam

 

 

 

KOSMOS IV, 2013, Kinetische Skulptur mit 6 beweglichen Teilen, 205 x 105 x 88 cm, Privat-Sammlung Potsdam

KOSMOS IV, 2013, Kinetische Skulptur mit 6 beweglichen Teilen, 205 x 105 x 88 cm, Privat-Sammlung Potsdam

 

 

 

Aber nicht nur Bewegung, sondern auch Balance liegt Michael Ernst am Herzen, denn in ihr zeigen sich Bewegung und Stillstand gleichzeitig. Als Möglichkeiten verbleiben sie im einen wie im anderen Zustand, d.h., dass auch ein unbewegtes Gesamtobjekt lediglich vorübergehend ruht. Es ist nicht still, sondern wartet quasi die nächste Bewegung ab. Dieses vorübergehende Ruhen führt Micheal Ernst an die Grenzen der bildenden Kunst, denn seine kinetischen Objekte sind gewissermaßen auf dem Sprung und scheinen sprechen, klingen oder tanzen zu wollen. Lázsló Moholy-Nagy (1895-1946), einer der Gründerväter der kinetischen Kunst, drückte diese Art bewegtes Ruhen 1922 folgendermaßen aus: „Die vitale Konstruktivität ist die Erscheinungsform des Lebens und das Prinzip aller menschlichen und kosmischen Entfaltungen. In die Kunst umgesetzt bedeutet sie heute die Aktivmachung des Raumes mittels dynamisch-konstruktiver Kraftsysteme, d. h. die Ineinander-Konstruierung der in dem physischen Raume sich real gegeneinander spannenden Kräfte und ihre Hineinkonstruierung in den gleichfalls als Kraft (Spannung) wirkenden Raum.“ (Moholy-Nagy, Dynamisch-konstruktives Kraftsystem)

Wer primär den verborgenen Kraftfelden im Raum nachspürt, operiert auch ganz in der Nähe zu Poesie und Klang. Und tatsächlich brechen diese Themen in Ernsts jüngeren Arbeiten durch. So nahm er bereits 2002 am Thüringischen Symposium „Klangkunst-Kunstklang“ mit der Frage teil, wie seine kinetischen Skulpturen hörbar werden können. Die Erforschung des Klangs stellt auch einen weiteren Baustein im Übergang von der bildenden zur darstellenden Kunst und von der Statik zur Dynamik dar. Ein Übergang, der entlang am Kardinalthema jeder Bewegung liegt – der Zeit.

Die Zeit gibt die Möglichkeit, Kunst von der unbewegten Anschauung zu überführen in ein Werk als Bewegung. Ein Werk, das von den Kräften der Natur gespielt werden kann oder auch vom Menschen selbst. Folgerichtig ist hier auch wieder die Nähe zu Moholy-Nagy. Formulierte er doch vor gut 90 Jahren bereits in groben Zügen eine Programmatik, die heutzutage unter dem Stichwort der Performativität in aller Munde ist: „Deshalb müssen wir an die Stelle des statischen Prinzips der klassischen Kunst das Dynamische des universellen Lebens setzen. […] Praktisch: statt der statischen Material-Konstruktion (Material- und Form-Verhältnisse) muss die dynamische Konstruktion (vitale Konstruktivität, Kräfteverhältnisse) organisiert werden, wo das Material nur als Kraftträger verwendet wird. Die dynamische Einzel-Konstruktion weitergeführt ergibt das DYNAMISCH-KONSTRUKTIVE KRAFTSYSTEM, wobei der in der Betrachtung bisheriger Kunstwerke rezeptive Mensch in allen seinen Potenzen mehr als je gesteigert, selbst zum aktiven Faktor der sich entfaltenden Kräfte wird.“

Text: Dr. Christian J. Grothaus, Berlin

 

 

 

Arbeiten in öffentlichen Sammlungen:         

2012  Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Bildung und Kultur / Erfurt

2004  Skulpturenfinca „Los Cardones“ / Teneriffa

2004  Burg Helfstyn / Tschechische Republik

2003  Skulpturenpark für kinetische Kunst / Ramelsloh

 

Einzelausstellungen:

2014  Metall, Ton, Bewegung – Galerie Atelierhaus Westfalenhütte, Dortmund

2012  SKULPTUR.WEIMAR.2012 – Galerie Profil / Weimar

2010  Hauptkirche St.Jacobi / Hamburg

2009  Art Hotel / Weimar

2008  67.Deutscher Juristentag / Erfurt

2005  Salon Z / Hamburg

 

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl):

2017  Permanent Artist @ THE ART SCOUTS, Berlin

2016  Galerie THE ART SCOUTS, Berlin

2015  Galerie THE ART SCOUTS, Berlin

2014  Galerie THE ART SCOUTS, Berlin

2014  Kunstmesse – artthuer 2014 / Erfurt

2014  Kunsthaus am Schüberg Ammersbeck, 2 Retrospektive

2014  Galerie Zimmer, Mühlhausen, Poesie und Bewegung

2014  AKTionale II, Das Nackte Sein 2014, Verein Berliner Künstler, Galerie Flierl

2014  „Kräftespiele“ 17., Skulpturenpark Mörfelden-Walldorf

2013  Kunstgießerei & Galerie Flierl / Berlin

2013  Skulpturengarten Seddiner See – Galerie Ruhnke / Potsdam

2013  „Zeit wahr nehmen“ Galerie ada / Meiningen

2013  „PROvinz“ VBK- Gruppenausstellung / Erfurt

2013  „Herberge 2013“ Franziskaner-Klosterkirche / Berlin

2013  Dynamic – Art – Delta 2013 / Niederlande

2011  Galerie – Atelierhaus Westfalenhütte / Dortmund

2011  9.Open Air Gallery / Berlin

2011  „Material und Form“ Egapark / Erfurt

2011  Wind Art Travemünde

2011  10.Open Air Gallery / Berlin

2011  Kunstmesse – artthuer 2012 / Erfurt

2010  Galerie Pro – Arte / Caputh

2010  Dynamic – Art – Delta 2010 / Niederlande

2009  Galerie – Atelierhaus Westfalenhütte / Dortmund

2009  Kunst in Bewegung / Bad Malente

2009  7.Open Air Gallery / Berlin

2009  „Natur-Mensch“ / Sankt Andreasberg

2008  Skulpturengarten   Stemmerhof / München

2008  Kunsttour – Caputh

2008  Weimarer – Visionen

2008  Museumsgalerie / Perleberg

2007  „Klangskulpturen“ / Bad Hall / Österreich

2007  Skulpturengarten „Sonnenwald“ / Grattersdorf

2006  Skulpturenausstellung / Bourglinster/Luxemburg

2006  Nord Art 2006 / Rendsburg

2005  Kunsthaus am Schüberg / Hamburg

2005  8. Kunstmark / Lemwerder

2004  Seegartengalerie / Garding

2004  Galerie von Knobelsdorf / Haseldorf

2003  Galerie Gardy Wiechern / Hamburg

2002  „Tours de Force“ Rouen / Frankreich

2001  Galerie R. Sager Gontenbad / Schweiz

2000  Kunstmarkt in Beauvais / Frankreich

 

 

 

Schleinitzstr. 6 A14193 BerlinT. 015772729156